Thorsten Esse (SPD) und Cornelia Nagel (CDU) äußern sich zu der Flüchtlingssituation in Nordstemmen

„Wir müssen unsere Herzen öffnen“

In der Nordstemmer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge sind rund 120 Menschen aus verschiedenen Nationen untergebracht. Doch auch diejenigen, die dauerhaft in der Gemeinde unterkommen, benötigen die Hilfe ihrer Mitmenschen. Foto: Zimmer

NORDSTEMMEN J „Was jetzt noch kommt, ist die Flüchtlingsfrage“, spricht Thorsten Esse, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Gemeinde Nordstemmen, das aus, was nicht nur im vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit forderte, sondern auch in den kommenden Jahren Thema bleiben wird. Nordstemmen sei zwar vor allem durch die Gemeinschaftsunterkunft, die in der ehemaligen Außenstelle der Marienbergschule eingerichtet wurde, betroffen, aber nicht zu vergessen seien die Menschen, die für längere Dauer in festem Wohnraum untergebracht werden und so noch mehr Integration in die Gemeinde erfahren sollten.

„Was ich bemerkenswert finde, ist, wie positiv diese Menschen aufgenommen werden“, lobt Esse die Bereitschaft der Bürger, die Flüchtlinge in die Gesellschaft aufzunehmen. Damit, dass so viele Bürger aus Nordstemmen so großen Einsatz zeigen würden, habe er nicht gerechnet: „Das ist in gewisser Weise etwas überraschend.“ Aber dadurch sei es umso positiver, denn: „Das wird auch in den kommenden Jahren eine Herausforderung sein, der wir uns stellen müssen. Und das nicht nur in den einzelnen Kommunen, sondern auch überregional.“ Trotzdem sei immer auch noch Luft nach oben und es gebe noch mehr, das getan werden müsste. „Da müssen wir im politischen Rahmen noch mehr an der Verzahnung arbeiten. Wir müssen uns die Frage stellen: Was braucht es, um Integration zu leben? Da wird noch einiges auf uns zukommen“, denkt er realistisch. Doch obwohl noch eine klarere Kommunikation und eine bessere Verbreitung von Informationen benötigt werde, wodurch noch mehr Angebote vor Ort geschaffen werden könnten, sagt er: „Von der Grundhaltung her finde ich es ganz bemerkenswert, was da an Offenheit besteht. Dennoch sollte man die Sorgen ernst nehmen und ihnen entsprechend begegnen.“ CDU-Fraktionsvorsitzende Cornelia Nagel sieht es ganz ähnlich, betont aber vor allem das, was jetzt noch fehlt.

Umdenken erwünscht

„Ich bin der Meinung: Wir müssen umdenken in Deutschland. Wir müssen unsere Herzen und unsere Köpfe öffnen für das Neue, das auf uns zukommt. Wir müssen unser Land jetzt mit anderen Augen sehen – im Positiven“, macht sie ihren Standpunkt deutlich, gesteht aber auch: „Das kann eine große Herausforderung sein.“ Außerdem drückt sie ihr Unverständnis darüber aus, wie einige Menschen auf diese neue Situation reagieren. „In viele dieser Länder fahren wir gerne in den Urlaub und dann finden wir die Kultur faszinierend. Warum nicht mehr, wenn diese Kultur nach Deutschland kommt?“, fragt sie sich. „Wie man damit fertig wird, dafür habe ich kein Patentrezept. Dafür hat niemand ein Patentrezept. Es bleibt nur: Helfen, wo man helfen kann, und sich positiv einstellen“, erklärt Nagel, dass man die Dinge auf sich zukommen lassen müsse, da vieles heute noch gar nicht absehbar sei: „Viele dieser Menschen wollen sicher auch irgendwann wieder nach Hause oder haben andere Pläne. Nicht alle, die jetzt in Deutschland sind, werden auch hierbleiben. Ich denke, es wird sich lösen lassen, wenn wir da alle ein bisschen positiver rangehen“, führt sie weiter aus und erinnert an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Millionen Menschen aus dem Osten gekommen seien und Zuflucht suchten. Auch da sei kaum jemand begeistert gewesen, dennoch sei die Situation gemeistert worden: „Das gibt mir Hoffnung.“ lz

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