Klein Escherdes Ortsbürgermeisterin Jutta Hartmann blickt auf das Jahr 2015 zurück: Veränderungen im Ort

Windenergie soll Dorf nicht „spalten“

Ortsbürgermeisterin Jutta Hartmann hofft, dass die Dorfgemeinschaft nicht weiter unter den verschiedenen Meinungen zur Windpark-Errichtung leidet. Foto: Zimmer

KLEIN ESCHERDE Klein Escherde hat sich verändert. Das ist etwas, was Ortsbürgermeisterin Jutta Hartmann im vergangenen Jahr unangenehm aufgefallen ist. Und das sogar gleich in zweierlei Hinsicht.

„Diese Aktion Windräder hat Klein Escherde ja doch ein ganz anderes Miteinander gebracht, und das sowohl im Ortsrat als auch dörflich“, spricht Jutta Hartmann sogleich ein Thema an, das auch in Klein Escherde dominiert. „Dieses Feingefühl hat ein bisschen gelitten, oder vielleicht hat das Thema auch einfach wach gemacht“, ist sie sich noch nicht ganz schlüssig, wie die Reaktionen im Ort bewertet werden sollten. Einerseits habe ihr das Interesse der Bürger gezeigt, dass sich nicht immer nur aus Entscheidungen herausgehalten wird, sondern sich viele dazu bewegen lassen, sich auch zu engagieren. „Ich wünsche mir nur, dass diese Windenergie unser Dorf nicht spaltet. Es sollte fair miteinander umgegangen werden, egal ob man dafür oder dagegen ist“, spricht sie andererseits offen über ihre Angst, dass die Windpark-Diskussion die Sachlichkeitsgrenze zu weit überschreitet.

„Ich bin gespannt, wie es damit weitergeht und wie wir damit umgehen“, erklärt Jutta Hartmann auch, dass sie sich selbst in Zukunft aus jeglichen Abstimmungen zu diesem Thema heraushalten werde, da ihre Familie selbst betroffen sei und sie so die Neutralität der Entscheidungen bewahren könne. Zudem sei die Reaktion einiger auf ihre Einmischung doch sehr verletzend gewesen, gesteht sie: „Das hat mich schon sehr getroffen mit den Anschuldigungen. Ich denke eigentlich, ich bekomme das ganz gut hin, da sachlich zu bleiben, aber ich glaube, keiner kann sich davon freisprechen, dass ein Wort, eine Geste oder sogar ein Blick einen noch viel mehr treffen kann.“

Interesse nimmt ab

Noch eine weitere Veränderung sei ihr 2015 besonders bewusst geworden, denn das Interesse zum Beispiel an traditionellen Dorfveranstaltungen wie Maibaumaufstellen und Weihnachtsmarkt sei drastisch zurückgegangen. „Die Älteren kommen nicht mehr – und Jüngere kommen noch nicht“, nennt die Ortsbürgermeisterin einen möglichen Grund dafür: „Das fehlt auch in unseren Vereinen. Es fehlen die engagierten 40er und 50er.“

Und noch etwas: „Ich habe 2015 meine Seniorenfahrt ins Eichsfeld nicht vollgekriegt.“ Sonst sei das nie ein Problem gewesen, rund 30 Personen zu finden. Vergangenes Jahr habe es nur elf Anmeldungen gegeben: „Das ist mir noch nie passiert.“ Gelegen haben könnte es daran, dass viele der üblichen Mitreisenden mittlerweile einfach zu alt seien und sich nicht mehr fit genug fühlen. „Und mit 60 oder 70 fühlen sich die Leute oft noch gar nicht angesprochen“, bedauert Jutta Hartmann, dass zum Beispiel auch ein Spielenachmittag nur mäßigen Zuspruch fand. Dennoch gibt sie nicht auf, neue Ideen für die Dorfgemeinschaft zu entwickeln. In diesem Jahr wird es keinen Neujahrsempfang geben, stattdessen plant sie, im Sommer zu einem großen Bürgerfrühstück einzuladen. Denn das sei etwas, was in Klein Escherde zurzeit deutlich zu kurz komme: das gesellige Miteinander unabhängig von politischen Unstimmigkeiten.

Dass es an frischem Wind fehlt, sei auch beim örtlichen Heimatverein zu beobachten, der nach mehr als 25 Jahren einen neuen Vorsitzenden bekommen habe. Der bisherige Stellvertreter Ulrich Klages hat in der ersten Jahreshälfte das Amt von Gründungsmitglied Siegfried Hauchstein übernommen, was laut Jutta Hartmann vor allem für viele Vereinsmitglieder eine große Umstellung bedeutet habe. „Ich glaube, er hat es schwer“, denkt sie, dass neue Ideen nicht immer sofort befürwortet werden, vor allem nicht nach so langer Zeit, in der vieles gleich ablief. „Das zeigt einfach, dass es Vereinen nicht gut tut, wenn sich so lange nichts ändert.

„Soll erfüllt“

Ähnliches gelte auch für den Ortsrat. Seit 20 Jahren gehöre sie selbst nun schon dazu, und eigentlich sei es Zeit, jemand anderen mit den Aufgaben eines Ortsbürgermeisters zu betrauen. „Ich denke, ich habe mein Soll erfüllt. Wenn ich wüsste, da ist jemand, dann würde ich den Platz sofort freigeben“, sagt die 45-Jährige. Trotzdem sei sie gerne bereit, sich erneut zur Wahl stellen zu lassen, da ihr die Arbeit nach wie vor großen Spaß bereite.

Um neue Kandidaten für den Ortsrat zu finden, erinnert Jutta Hartmann an eine Veranstaltung, zu der die CDU eingeladen hatte: „Die war ganz schlecht besucht. Da haben wir gemerkt, dass es nur über den persönlichen Weg geht.“ Daher habe sie einige Bürger direkt angesprochen, doch auch da halte sich der Erfolg in Maßen. „Mit der Windkraft steht ein großer Berg vor der Haustür. Es kann gut sein, dass das etwas abschreckend wirkt“, meint sie. Trotzdem sei sie zuversichtlich, die Liste zur diesjährigen Kommunalwahl dennoch füllen zu können.

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