„Spaßorchester“ entführt seine Besucher zum 58. Jahreskonzert in die bunte Welt von Artisten und Clowns

Solistenparade im Nordstemmer Zirkus

Statt wie gewohnt in roten Jacken spielt das „Spaßorchester“ im zweiten Teil des Jahreskonzertes in bunter Kleidung und mit lustigen Kopfbedeckungen auf. Fotos: Jäger

NORDSTEMMEN Fliegende Artisten, wilde Raubtiere, lustige Clowns – all das gibt es bekanntermaßen im Zirkus zu sehen. Zu hören war nun in der Nordstemmer Jahnsporthalle ein musikalischer Zirkus. Wie in jedem Jahr präsentierte das über die Ortsgrenzen hinaus beliebte Blasorchester mit seinem langjährigen Dirigenten Gerd Rodenwaldt am ersten Märzwochenende sein großes Jahreskonzert zum mittlerweile 58. Mal.

Die 32 Musiker hatten sich wieder ordentlich ins Zeug gelegt, um die hohen Erwartungen des Publikums zu erfüllen. In diesem Jahr hieß es „Circus – Manege frei!“, und dementsprechend wurde der Bühnenbereich aufwändig und mit viel Liebe zum Detail in ein Zirkuszelt umdekoriert. Den Zirkusdirektor und Conférencier gab erstmalig Uwe Schmull, der es sich nicht nehmen ließ, neben einer spritzigen Moderation auch in das Geschehen einzugreifen: Er ließ seinen Floh „Fridolin“ mit der Unterstützung des Publikums einen dreifachen „Salto Mortale“ aufführen und trat außerdem als Jongleur auf.

Hauptsächlich ging es aber um die Blasmusik. Dem passenden 6/8-Marsch „In der Manege“ folgte mit der „Zirkus-Fantasie“ eine weitere Programm-Musik im besten Sinn. Vor dem geistigen Auge tummelten sich Artisten, Seiltänzer, eine Pferdedressur, ein Elefantentanz und eine Ballett-Tänzerin. Zu gefallen wussten die kurzen Solo-Einwürfe und das schmissige Finale. Messerwerfer gab es nicht, stattdessen war den klirrenden Schwertern und scharfen Klingen die Posaunen-Fantasie „Blades of Toledo“ sowie Aram Khachaturians „Säbeltanz“ gewidmet.

Rotierender Himmel

Artistik, Theaterkunst und Livemusik kennzeichneten den „Zirkus der Sonne“. In dem nachfolgenden Medley präsentierte das munter aufspielende Blasorchester einige Musiktitel des weltbekannten „Cirque du soleil“ unter einem an die Hallendecke projizierten, langsam rotierenden Sternenhimmel. Um die Nachwuchsmusiker vorzustellen, wurden diese kurzerhand für ein Stück in das Hauptorchester integriert: Paula Stoffregen und Carlotta Linder an der Klarinette, Lizanne André an der Flöte und Sara Wegener an der Posaune. „Schickt die Clowns herein!“, heißt es traditionell beim Zirkus, wenn in der Manege etwas schiefgegangen ist. Die in Anlehnung an diesen Spruch komponierte Ballade „Send in the clowns“ wurde von Swantje Manneck am Horn voller Leidenschaft zum Dahinschmelzen interpretiert und dabei mit künstlichem Nebel, Seifenblasen und bunten Lichteffekten optisch sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Stilgerecht als römischer Feldherr und Wagenlenker verkleidet, dirigierte Rodenwaldt anschließend „Ben Hur“ und erinnerte die 300 Zuhörer mit der Filmmusik an die galoppierenden Pferde aus dem legendären Wagenrennen.

Überraschenderweise trat im zweiten Konzertteil nicht mehr das Blasorchester, sondern das „Spaßorchester“ auf – statt roter Jacken waren nun bunte Kleidung und lustige Kopfbedeckungen zu sehen. Als erstes ließen Katja Hormann und Laura Hollah ihre metallenen Querflöten funkeln („Twinkling flutes“), danach stellten die Klarinettisten Claudia Dill und Kathrin Garbs sowie Andreas und Tobias Kühn ihr Können bei dem Dixie „Creole Jazz“ unter Beweis. Dies taten auch Lilly und Paula Lorenz auf ihren Einrädern bei dem Stück „The happy cyclist“, während Schlagzeuger Sören Gehler dabei eine Fahrradklingel zum Soloinstrument umfunktionierte.

Kraftvoll und elegant

Aber wo blieben die fliegenden Artisten am Trapez ohne Netz und doppelten Boden? Die wurden als nächstes von den Trompetern Maike Schaper, Robert Kalix, Sigbert Ewald und Christian von Palubicki beim „Formation Flight“ kraftvoll und elegant interpretiert.

Lebhafte Polkas, schmissige Märsche, bekannte Filmmusiken, solistische Vorträge, dazu das passende Outfit und bunte Lichteffekte, etwas zum Schmunzeln und nicht zuletzt eine kurzweilige Moderation – so machte (musikalischer) Zirkus Freude, und das Publikum honorierte diese tolle Leistung mit langem Applaus. Das Resultat war eine dynamische Zugabe voller Spielfreude, wie sie programmatischer nicht sein konnte: „Tiger Rag“ – denn die Tiger fehlten noch an diesem höchst unterhaltsamen Abend.

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