Duingen und Salzhemmendorf setzen Tourismus-Projekt um – und kümmern sich „nebenher“ um den Naturschutz

Unzählige Telefonate und E-Mails

Clemens Pommerening, Klaus Krumfuß und Wolfgang Schulz begutachten die alte Bahntrasse zwischen Weenzen und Thüste. Das Schotterbett (links) ist die Heimat von Waldeidechsen. Foto: Mosig

WEENZEN / THÜSTE Es ist ein schönes Projekt. Aber in der Umsetzung ist es irgendwie eine Geschichte, die typisch deutsch ist. Duingen und Salzhemmendorf wollen einen gemeinsamen Radwanderweg anlegen, um auf der einen Seite den Tourismus zu fördern und auf der anderen Seite die Sicherheit der Radfahrer erhöhen, weil die Nutzer nicht mehr auf der Landesstraße fahren müssen. Unzählige Telefonate und Anträge später ist es ein Naturschutzprojekt geworden. Wie das?

Hintergrund: Nach der Insolvenz des Kleinbahnvereins, der die alte Bahntrasse zwischen Weenzen und Thüste betrieb, kauften die beiden Kommunen die Strecke für, wie Duingens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Schulz bestätigt, „etwa zehn Euro“. Damals war bereits die Idee entstanden, diese Trasse zum Radwanderweg auszubauen. „Ein Knackpunkt waren die Kosten“, so Schulz. Die erste Schätzung lag bei 119 000 Euro. Schulz und sein Salzhemmendorfer Kollege Clemens Pommerening machten sich daraufhin schlau und stießen direkt in das Ende der Förderperiode des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen (LGLN), das 48 000 Euro Fördersumme in Aussicht stellte. Ein kleines Problem gab es aber: Der Abrechnungsbescheid musste theoretisch bis 31. Juli dieses Jahres vorliegen. „Ein sportliches Unterfangen“, so Schulz, der sich mit seinen Mitarbeitern nun darum kümmerte, die Stahlträger zu entfernen, für die eine alte Schraubmaschine flottgemacht werden musste, da es für die alten Schrauben keine Aufsätze mehr gab. Das geschah im April, der Stahl bringt übrigens 30 000 Euro Einnahmen, die gegengerechnet werden. Parallel startete die Ausschreibungsphase für Vergleichsangebote, um die alte Strecke zu schottern und auf einer Breite von zwei Metern zu bewalzen. Doch dann – und jetzt wird es typisch deutsch – flatterte ein Bescheid der Unteren Naturschutzbehörde ins Haus, die eine Reptilienuntersuchung anordnete. Wieder mussten Angebote eingeholt werden, diesmal für die Untersuchung, und siehe da: In einem Schotterbett wurden 21 Waldeidechsen gefunden. „Damit konnten wir das tolle Projekt zu den Akten legen“, sagt der Duinger. Doch die Naturschutzbehörde hatte, lobt Schulz, ein Einsehen, dass das Projekt richtig und wichtig ist. „Es ist ein weiterer Moaikstein für eine gemeinsame Tourismusförderung“, betont Landtagsabgeordneter Klaus Krumfuß. Die Idee ist jetzt, wieder viele Telefonate und E-Mails später, folgende: Südlich der Strecke werden Schotterplätze angelegt, auf die die Eidechsen umsiedeln. Dadurch wird der Radwanderweg auch zur Naturschutzmaßnahme, da das alte Schotterbett in den nächsten Jahren zugewachsen wäre und der Lebensraum so auf natürliche Weise zerstört würde. Auf jeden Fall läuft das Projekt weiter, denn die LGLN hat einen Abrechnungsaufschub bis 30. September gegeben. „Es wird also was“, freute sich Schulz, der die Radwanderlustigen also noch um etwas Geduld bittet, wenn sie im Sommer noch nicht die alte Trasse befahren können. Die Kosten, auch das ist typisch deutsch, sind dadurch ein wenig gestiegen: Auf 129 000 Euro.

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